Leo IX. Bruno, Graf von Egisheim-Dagsburg.
12.2.1049 - 19.4.1054 (5 Jahre)
In Leos letzte Zeit fällt die endgültige, auch formelle Trennung
von Ostrom (Morgenländisches Schisma). Der Sieg der Normannen unter
Robert Guiscard über ihn und seine Gefangenschaft in Benevent gilt
als der Beginn ihrer Staatsgründung, zu der sie den Papst als Lehensherrn
anerkannten, was für die kommenden Jahrhunderte von großer
politischer Tragweite werden sollte.
Viktor II. Gebhard, Graf von Hirschberg. 16.4.1055 -
28.7.1057 (2 Jahre)
Die Sedisvakanz von fast einem Jahr war durch das Zögern des kaiserlichen
Kanzlers und Bischofs von Eichstätt mitbedingt, der die Wahl nicht
annehmen wollte. Wiederum bestand Kaiser Heinrich III. auf einen deutschen
Papst und folgte dabei dem Rate Hildebrands (dem Berater des vorhergehenden
Papstes und ersten eigentlichen Staatssekretär).
Stephan IX. Friedrich von Lothringen. 3.8.1057 - 29.3.1058
(7 Monate)
Machte Petrus Damianus zum Reformkardinal und wandte sich gegen die
Laieninvestitur. Hildebrand bereiste in seinem Auftrag Deutschland und
Frankreich.
Benedikt X. gelang es dem unheilvollen Geschlecht der Tusculaner,
einen Papst auf den Thron zu bringen, der sich hielt, bis Hildebrand
und der heilige Petrus Damianus an der Spitze des Reformklerus die drohende
Gefahr mit der Absetzung des Papstes und der Neuwahl von
Nikolaus II. Gerhard von Burgund. 6.12.1058 - 27.7.1061
(3 Jahre)
zu bannen vermochten. Die Ostersynode im Lateran 1059 brachte das Papstwahldekret
heraus, wonach Klerus und Volk der Wahl der Kardinäle nur noch
zustimmen konnten. Es wurden Voraussetzungen für die Durchführung
des Zölibates geschaffen und die Annahme von Kirchenämtern
aus Laienhand (Laieninvestitur) verboten und der Einfluß des deutschen
Hofes begrenzt.
Im Juli fand die Synode von Melfi statt - ein Werk Hildebrands - , auf
welcher der Normanne Robert Guiscard zum Herzog erhoben wurde und sich
dem Papsttum als Lehensfürst verbündete.
Alexander II. Anselmo da Baggio. 1.10.1061 - 21.4.1073
(12 Jahre)
Mit normannischer Hilfe zum Papst gewählt. Er hatte bis 1064 einen
Gegenpapst. 1063 veranlaßte er einen Kreuzzug gegen die Mauren
Nordspaniens, wo das Kreuzheer bestialisch unter den Besiegten hauste.
Unter ihm schritten die Verwirklichung des Reformprogramms und das Anwachsen
des päpstlichen Einflusses in allen Ländern, aber auch die
Verschärfung der Spannungen zu Heinrich IV. und den Bischöfen
des Reiches fort.
Gregor VII. Hildebrand von Soana. 22.4.1073 - 25.5.1085
(14 Jahre)
Benediktiner. Hatte sich wiederholt der Papstwahl widersetzt und die
Würde erst auf Grund einer noch nie erreichten Einstimmigkeit ohne
eine Andeutung von Simonie angenommen. Verkündete 1074/75 scharfe
Simonie- und Zölibatsbestimmungen. Er belegte eine Reihe deutscher
und italienischer Bischöfe mit dem Bann und erließ das Investiturdekret.
Heinrich IV. Antwort war die "Absetzung" Gregors und die Aufforderung
an Rom, einen neuen Papst zu wählen. G. antwortete mit dem Bann
gegen den König, ein in dieser Form nie dagewesenes Ereignis. Daraufhin
wandte sich ein Großteil der königstreuen Bischöfe von
diesem ab und lud G. zu einem Reichstag nach Augsburg ein. Auf dem Weg
dahin trafen sich der Papst und der König, der ihm entgegengekommen
war, in Canossa. Nachdem er 3 Jahre später (1080) Heinrich
erneut gebannt hatte, erschien dieser 1081 und 1082 vor Rom, das er
1083 einnahm und sich am Osterfest 1084 von dem von ihm eingesetzten
Gegenpast zum Kaiser krönen ließ. Gregor saß wochenlang
in der Engelsburg, ehe ihn Herzog Robert Guiscard befreite und dabei
Rom furchtbar plünderte. G. zog mit den Normannen nach Süden
und starb ein Jahr später einsam und verlassen in Salerno. Der
Pontifikat Gregors entschied trotz unmittelbaren Scheiterns den Sieg
der gregorianischen Reform. Im unbeugsamen Kampf um eine religiös
bestimmte irdische Ordnung ist G. ein wesentlicher Mitgestalter der
hoch-mittelalterlichen Welt, seine Regierung ein epochaler Höhe-
und Wendepunkt in der Geschichte des Papsttums.
Viktor III. Desiderius, Fürst von Benevent. 24.5.1086
- 16.9.1087 (16 Monate)
Er hielt am Verbot der Laieninvestitur fest, hob den Bann gegen Heinrich
IV. nicht auf und veranlaßte einen Feldzug gegen die Sarazenen
in Nordafrika, wo ein Sieg erzielt werden konnte. Er genoß den
Ruf eines gütigen Papstes.
Urban II. Odo de Lagery. 12.3.1088 - 29.7.1099
(11 Jahre)
Verbrachte die ersten 5 Amtsjahre unter dem Schutz des Normannen Roger
I. in Süditalien und konnte erst 1093 Rom betreten. Aufgrund eines
Hilferufs aus Byzanz rief er am 26. November 1095 auf der Synode von
Clermont zum ersten Kreuzzug auf, womit er die Kreuzzugsbewegung einleitete.
Er starb zwei Wochen nach der Einnahme Jerusalems durch Gottfried von
Bouillon.
Paschalis II. Ranieri di Bieda. 13.8.1099 - 21.1.1118
(19 Jahre)
Überstand in den Jahren 1100 bis 1105 vier von Heinrich IV. aufgestellte
GegenPäpste. Von dessen nach Rom gekommenem Sohn Heinrich V. gefangengenommen,
sicherte er ihm die Investitur ohne Simonie zu und krönte ihn am
13. April 1111 zum Kaiser. Bald darauf zog er seine Genehmigung wieder
zurück, mußte vor dem Kaiser fliehen und starb kurz nach
seiner Rückkehr nach Rom. Eine seiner Verfügungen verbot die
Gottesurteile. In sein Pontifikat fällt die Gründung von Clairvaux
durch Bernhard im Jahre 1115.
Gelasius II. Johannes Coniolo. 24.1.1118 - 28.1.1119
(1 Jahr)
Sein kurzes Pontifikat war ein einziger Leidensweg. Er hatte keine Chance
gegen den von Heinrich V. eingesetzten Gegenpapst "Gregor VIII.", der
großen Anhang fand und Rom beherrschte. Gelasisus floh nach Frankreich,
wo er in der Mönchskutte auf dem Boden liegend in Cluny starb.
Kalixtus II. Guido, Graf von Burgund. 2.2.1119 - 13.12.1124
(5 Jahre)
Er wurde in Cluny gewählt und in Rom bestätigt. Auf dem Reichstage
von Trebur 1119 gelangten Papst und Kaiser zum sog. Reichsfrieden, der
indessen bald aufhörte. K. bannte den Kaiser auf einer Synode von
Reims und kehrte nach Rom zurück. Erst am 23. September 1122 wurde
der Investiturstreit beigelegt, dessen Ergebnisse ein Jahr später
auf dem 1. Lateranischen Konzil bestätigt wurden. Er errichtete
den unter dem heutigen Papstaltar der Peterskirche noch erhaltenen,
durch 470 Jahre hindurch dienenden Papstaltar.
Honorius II. Lamberto di Fiagnano. 15.12.1124 - 13.2.1130
(5 Jahre)
Ihm ist vor allem das Zustandekommen des Wormser Konkordats zu danken.
Wenige Monate später erlosch mit dem Tod von Heinrich V. das salische
Kaiserhaus und Lothar III. von Supplinburg bestieg im Einvernehmen mit
H. den Thron. Der Papst bestätigte 1128 den Normannen Roger II.
von Sizilien als Herzog von Apulien.
Innozenz II. Gregorio Papareschi. 14.2.1130 - 24.9.1143
(13 Jahre)
Schon wenige Stunden nach seiner Wahl wählten die meisten Kardinäle
"Anaklet II.", der indessen nur Gegenpapst sein konnte und sich, von
Roger II. von Sizilien, den er 1130 zum König erhob, unterstützt,
bis zu seinem Tod 1138 in Rom zu behaupten vermochte. I. floh nach Frankreich
und kehrte mit Lothar III. nach Rom zurück, den er am 4. Juni 1133
krönte; nach dessen Abzug mußte er erneut fliehen. 1139 berief
er das 2. Lateranische Konzil.
Coelestin II. Guido di Castello. 26.9.1143 - 8.3.1144
(6 Monate)
Er bemühte sich vergebens, die unter seinem Vorgänger in Rom
ausgebrochenen Unruhen beizulegen. Während seines Pontifikats stirbt
Abälard, dessen Schüler er vermutlich war.
Lucius II. Gherardo Caccianemici. 12.3.1144 - 15.2.1145
(1 Jahr)
Auch er wurde des Aufruhrs in Rom nicht Herr. Bei der Belagerung des
Kapitols wurde er getötet.
Eugen III. Bernardo Paganelli. 15.2.1145 - 8.7.1153
(8 Jahre)
Mönch und Schüler des Bernhard von Clairvaux. Residierte zunächst
in Viterbo, 1147 in Frankreich, später für einige Zeit in
Trier und 1149 kurz in Rom. 1147 rief Clairvaux in seinem Auftrag zum
2. Kreuzzug auf. 1152 starb Konrad III., dem Friedrich I., Barbarossa,
folgte. Zwischen 1140 und 1150 entstand das nach dem Kamaldulensermönch
Gratian benannte Decretum Gratiani als erste Sammlung päpstlicher
Rechtsverfügungen des Jus novum und damit eigentliche Vorstufe
des Codex Juris Canonici.
Anastasius IV. Corrado della Subarra. 12.7.1153 - 3.12.1154
(17 Monate)
Der Pontifikat dieses seiner Milde wegen viel gerühmten
Greises verlief ohne besondere Ereignisse.
Hadrian IV. Nikolaus Breakspeare. 4.12.1154 - 1.9.1159
(5 Jahre)
* Langley (Hertford) zwischen 1110 und 1120, † Anagni. Der einzige englische
Papst. Versuchte in Rom, über das er sogar das Interdikt verhängte,
die von Arnaldo de Brescia aufgelöste Ordnung wiederherzustellen.
Am 18. Juni 1155 krönte er Friedrich Barbarossa zum Kaiser. Es
kam zu einem Aufstand, worauf Barbarossa die Stadt verließ und
Papst und Kardinäle mit sich nahm. Bald darauf ordnete er vermutlich
die Hinrichtung Arnaldos an. Er wandte sich erfolglos gegen Wilhelm
I. von Sizilien, den Sohn Rogers II., der den Kirchenstaat bedrohte.
Auch mit dem Kaiser verfeindete er sich bald wieder, als dieser 1158
seine Macht auf dem Reichstag auf den Ronkalischen Feldern bei Piacenza
im Sinne des kaiserlichen Absolutismus und zum Schaden des Papsttums
zu erweitern strebte, wobei er in kirchliche Gerechtsame eingriff.
Alexander III. Orlando Bandinelli. 7.9.1159 - 30.8.1181
(22 Jahre)
* Siena, † Civita Castellana. Sein Pontifikat ist durch 4 Gegenpäpste
gekennzeichnet: Viktor IV. - er heißt so, obwohl es 21 Jahre früher
(1138) schon mal einen dieses Namens gab - 1159-64, Paschalis III. 1164-68,
Kalixtus (III.) 1168-78 und Innozenz (III.) 1179-80. Als Berater Hadrians
IV. und päpstlichen Legat auf dem Reichstag von Besançon
Zusammenstoß mit Friedrich I., der bei seiner Wahl zum Papst Viktor
IV. unterstützte. A. mußte nach Frankreich fliehen und residierte
in Sens. Der 2. Gegenpapst krönte Friedrich I. am 1. August 1167
zum zweiten Mal zum Kaiser. Ein Jahr später ernennt Friedrich selbst
den 3. Gegenpapst. A. stellte sich an die Spitze des lombardischen Städtebundes,
der den Kaiser 1176 in der Schlacht von Legnano völlig schlug.
Kaiser und Papst schlossen 1177 den Frieden von Venedig, worin der Kaiser
den Papst anerkannte und seinen selbst ernannten Gegenkandidaten fallen
ließ.
1161 sprach er Eduard den Bekenner, 1174 Thomas Becket, 1175 Bernhard
von Clairvaux heilig und rief 1179 zum 3. Lateraner Konzil in den Lateran.
Im gleichen Jahr erhob der Adel von Rom den 4. Gegenpapst, was A. aus
der Stadt vertrieb.
Lucius III. Ubaldo Allucingoli. 1.9.1181 - 25.11.1185
(4 Jahre)
* Lucca, † Verona. Zisterzienser, in Rom von republikanischen Revolten
bedrängt. Auf einem von ihm und Friedrich I. 1184 nach Verona einberufenen
Kongreß wurden die Häretiker gebannt und die Inquisition
eingeführt. Gewann Friedrich I. für den Kreuzzug (der dann
5 Jahre später stattfand (3. Kreuzzug) und zum gemeinsamen Vorgehen
gegen Katharer und Waldenser.
Urban III. Uberto Crivelli. 25.11.1185 - 20.10.1187
(2 Jahre)
Hat Rom nicht betreten. Auseinandersetzungen mit Barbarossa. Dessen
Sohn Heinrich VI. brach in den Kirchenstaat ein. Außerdem eroberte
Sultan Saladin am 2. Oktober 1187 Jerusalem zurück. U. starb in
Ferrara.
Gregor VIII. Alberto de Morra. 21.10.1187 - 17.12.1187
(2 Monate)
Hat Rom ebenfalls nicht betreten. Starb in Pisa.
Klemens III. Paolo Scolari. 19.12.1187 - 3.1191
(3 Jahre, 4 Monate)
Er wurde in Pisa gewählt und kehrte nach Rom zurück, wo er
den inzwischen seit 44 Jahren bestehenden Senat anerkannte. Der Kirchenstaat
wurde wiederhergestellt. Sein Pontifikat stand im Zeichen des 3. Kreuzzuges,
bei dem Barbarossa ertrank. Auf ihn geht der Gebrauch des Meßglöckchens
zurück.
Coelestin III. Giacinto Boboni-Orsini. 30.3.1191 - 8.1.1198
(8 Jahre)
Die erste Amtshandlung des bereits 85-jährigen Papstes war am 15.
April 1191 die Krönung Heinrich VI., der sich auf dem Wege nach
Sizilien befand, wo er als Gemahl Konstanzes nach dem Tode Wilhelms
II. das Erbe der Normannen anzutreten gedachte. Am Weihnachtstage dieses
Jahres wurde er in Palermo zum König von Sizilien gekrönt,
am 2. Weihnachtstag kam sein Sohn und Nachfolger Friedrich zur Welt.
H. wütete in Sizilien, träumte, wie Gregorovius sagt, "von
der Knechtung Italiens, von der Zertrümmerung des gregorianischen
Papsttums", und bedrohte zum zweiten Male den Kirchenstaat, worauf es
zum Bruch mit dem Papst kam.
Innozenz III. Lotario, Graf di Segni. 8.1.1198 - 16.7.1216
(18 Jahre)
Als I., der Neffe von Klemenz III., mit 38 Jahren Papst wurde, erhob
Walther von der Vogelweide seine berühmte Klage über die allzu
große Jugend des Gewählten. Nach dem Tode von Kaiser Heinrich
VI. 1197 gelang es ihm überraschend schnell, Rom und weiten Teilen
des Kirchenstaats eine Form im Sinne der pippinschen Schenkung zu geben
und damit gleichzeitig dem italienischen Nationalgefühl entgegenzukommen.
Am 12. Oktober 1209 krönte er Otto IV., doch als dieser Sizilien
zu erobern gedachte, kam es 1210 zum Bruch und Bann. Die deutschen Fürsten
wandten sich von Otto IV. ab und anerkannten 1211, gleich dem Papst,
dessen Mündel Friedrich als zukünftigen Kaiser. Dieser wurde
am 9. Dezember 1212 in Mainz zum König gekrönt. Mit der Goldenen
Bulle von Eger am 12. Juli 1213 wurde von Friedrich II. und den deutschen
Fürsten der Kirchenstaat Innozenz' III. anerkannt.
I. bemühte sich schon bald nach der Wahl um den 4. Kreuzzug, der
sich dann gegen Konstantinopel wandte. 1203 kam es mit England zum Konflikt,
wo König Johann ohne Land die Kirche auf das schwerste bedrückte,
worauf I. den Bann aussprach und das Interdikt verhängte, bis der
König 1213 nachgab und die Lehnshoheit des Papstes anerkannte,
der seinerseits die gegen Johann gerichtete Magna Charta von 1215 verurteilte.
Er nannte sich selbst "König der Könige, Herrscher der Herrscher,
Priester ewiglich nach der Weise des Melchisedek. Er ist auch der Erfinder
des neuen päpstlichen Titels: "Statthalter Jesu Christi auf Erden".
Er entfaltete eine fieberhafte Tätigkeit, deren Ziel es war, den
päpstlichen Stuhl zum Vollender der Geschichte der ganzen christlichen
Welt zu machen. Er bestätigte den 1202 gegründeten Ritterorden
der Schwertbrüder und gab seinen Segen zur Eroberung Livlands;
im Jahre 1215 rief er die Deutschritter zum Kreuzzug gegen die Pruzzen
auf. Schließlich war er es auch, der den Befehl gab, einen Kreuzzug
gegen die Albigenser zu beginnen. Damit legte er den Anfang zur massenhaften
und systematischen Vernichtung von Gläubigen, deren religiöse
Anschauungen mit der offiziellen kirchlichen Doktrin nicht übereinstimmten.
1209 hatte er zum Kreuzzug gegen die Albigenser aufgerufen. An den von
ihm scharf verurteilten Greueln des Krieges trifft ihn nur mittelbar
eine Schuld.
Innozenz' "Kreuzzug" war ein Markstein in der Geschichte der Christenheit.
Das Oberhaupt der Kirche befahl und organisierte einen Krieg gegen die
Mitchristen in einem traditionell christlichen Land. Bekehrung wurde
ersetzt durch Ausrottung. Doch Unorthodoxe und Orthodoxe lebten so eng
zusammen, daß es unmöglich war, sie auseinanderzuhalten.
In auffallendem Gegensatz zu den Gleichnissen Jesu wurde der Weizen
mit der Spreu verbrannt. Sein Kreuzzug war eine Klasse für sich.
Unter dem Banner des Kreuzes sollte er der blutigste Feldzug des Mittelalters
werden. Seine Soldaten erfanden tatsächlich die Politik der verbrannten
Erde. Zum erstenmal schlachteten sie alles ohne Unterschied ab. Und
während jedes Verbrechen Innozenz berichtet wurde, drängte
er sie voran zu größerem Einsatz im Namen Christi. Der Papst
wurde über jedes Stadium auf dem laufenden gehalten. Er hat alles
sanktioniert.
Als alleiniger Besitzer der Wahrheit fühlte er sich berechtigt,
Häresien mit jedem ihm zu Gebote stehenden Mittel auszuradieren.
Er war es, der der Inquisition zu einem neuen Aufschwung verhalf und
dem Katholizismus eine besondere Art Intoleranz gab, die sich jahrhundertelang
halten sollte. Sein Credo: "Jeder Kleriker muß dem Papst gehorchen,
selbst wenn er Böses befiehlt; denn niemand kann über den
Papst urteilen." Er verabschiedete mehr Gesetze als 50 Päpste vor
ihm; er selbst war keinem Gesetz unterworfen. 6000 seiner Briefe sind
bislang veröffentlicht. Ihre Bandbreite ist außergewöhnlich.
Er setzte Bischöfe und Äbte ab und ersetzte sie. Er verhängte
Strafen für eine Vielzahl von Vergehen. Er nannte sich "Weltbischof".
Die Liste seiner Verbrechen und Schandtaten wird umso länger, je
mehr man sich mit ihm beschäftigt.
Honorius III. Cencio Savelli. 18.7.1216 - 18.3.1227
(11 Jahre)
Erstrebte den Ausgleich Frankreich - England und das Zusammenwirken
von Papst- und Kaisertum, um den auf dem 4. Laterankonzil beschlossenen
Kreuzzug zu ermöglichen. Bestätigte die neuen Orden der Dominikaner
(1216), Franziskaner (1223) und Karmeliten (1226).
Am 9. Januar 1221 gewährt er den Deutschordensrittern die völlige
rechtliche Gleichstellung mit den Templern und Johannitern. Überhaupt
zeigt er sich sehr großzügig: Während seines Pontifikats
stellt er dem Orden insgesamt 113 Urkunden aus.
Gregor IX. Ugolino, Graf di Segni. 19.3.1227 - 22.8.1241
(14 Jahre)
War ganz vom Geiste seines Verwandten, Innozenz III., erfüllt.
Schon als Kardinal förderte er entschieden die neuen Ordensbewegungen
(vor allem Dominikaner und Franziskaner) und kirchliche Laienbewegungen.
Er bannte Friedrich II. und marschierte während dessen Kreuzzuges
in Sizilien ein. Nach seiner Rückkehr schlug Friedrich die päpstlichen
Truppen und schloß 1230 seinen Frieden mit Gregor, der neun Jahre
hielt, bis er wieder die Lombardei angriff und den Kirchenstaat einkreiste.
Erneut gebannt, nahm Friedrich über hundert Prälaten gefangen,
die sich auf dem Weg zu einem für 1241 nach Rom berufenen Konzil
befanden, das dadurch unmöglich gemacht wurde.
1231 organisierte Gregor die Inquisition, die er vor allem den Dominikanern
übertrug. Er ließ auch das Liber Extra, die sogenannten
gregorianischen Dekretalen ausarbeiten, die das Decretum Gratiani
aus der Zeit Eugen III. fortsetzen. Außerdem erließ er ein
Studiumsverbot der naturwissenschaftlichen Schriften des Aristoteles
bis zu ihrer Prüfung durch eine Kommission.
Coelestin IV. Goffredo Castiglione. 25.10.1241 - 10.11.1241
(17 Tage)
Seine Wahl wurde bedeutsam als das erste eigentliche Konklave, d.h.
die erste Einschließung der Kardinäle, die der Rom beherrschende
Senator Matteo Orsini nach dem Brauche der Zeit allerdings in brutalster
Form mit Waffengewalt hatte vornehmen lassen, so daß einer der
zehn eingeschlossenen Kardinäle an den Mißhandlungen starb,
die meisten anderen erkrankten. Nach zwei Monaten schließlich
wurde der Greis Coelestin gewählt, der bereits nach 17 Tagen starb.
Immerhin reichte die Zeit noch aus, Matteo Orsini zu bannen.
Innozenz IV. Sinisbaldo Fieschi, Graf di Lavagna. 25.6.1243
- 7.12.1254 (11 Jahre)
Nach dem durch Vermittlungsversuche Ludwig IX. erfolgten Frieden von
1244 zwischen Papst und Kaiser, entzog sich Innozenz einer Einladung
Friedrich II. zu einer Zusammenkunft in Narni zur Lösung der Bann-Frage
und Friedrichs Problemen mit der Lombardei durch seine Abreise nach
Lyon (Flucht nach Frankreich) und der Einberufung des 13. Allgemeinen
Konzils 1245. Daraufhin ließ Friedrich Viterbo plündern,
wo der Kardinal Rainer von Viterbo im Jahr zuvor ein Gemetzel unter
den kaiserlichen Truppen veranstaltet hatte, was diesen jetzt dazu brachte,
durch flammende, jedes Maß außer acht lassende Flugschriften
gegen Friedrich das Konzil zu beeinflussen.
Jetzt erklärte Innozenz den Kaiser für abgesetzt und förderte
1246 als ersten Gegenkönig Heinrich Raspe und nach dessen Tod 1247
Wilhelm von Holland. Er beschloß den 6. Kreuzzug und einen gegen
Friedrich: beide sind mißlungen. Er versuchte mehrfach, Friedrich
ermorden zu lassen. Ludwig drohte, ihn aus Frankreich auszuweisen und
der König von England lehnte es ab, den Papst aufzunehmen, der
sich durch seine Steuerpolitik größten Haß zugezogen
hatte.
Über den Tod des Kaisers 1250 hinaus setzte er seinen Krieg gegen
die Staufer Konrad IV. und Manfred fort und kehrte 1253 nach Rom zurück.
Er starb 1254 nach Konrad. Manfred übernahm die Regentschaft für
dessen Sohn Konradin. Die Inschrift seines Grabdenkmals rühmt ihn
als Vernichter der Schlange Friedrich.
Er war als Jurist bedeutend, als Papst zwiespältig, ein in der
Wahl seiner Mittel rücksichtloser Politiker, der sinnlos Könige
absetzte und bannte, geldgierig, hinterlistig und ein schrankenloser
Nepot. Er ermächtigte die politischen Herrscher zur Anwendung der
Folter gegen Ketzer und beanspruchte die Lehnshoheit über alle
Herrscher und Völker in Formulierungen wie später nur noch
Bonifaz VIII.
Alexander IV. Rinaldo, Graf di Segni. 12.12.1254 - 25.5.1261
(7 Jahre)
Neffe Gregor IX.. Er setzte die antistaufische Politik seines Vorgängers
fort; förderte den deutschen Gegenkönig Wilhelm von Holland
und trat gegen die Wahl Konradins, des letzten Staufers, auf. 1260 erhob
er Albertus Magnus auf den Bischofssitz von Regensburg. Wegen der Kirchenstaatseroberungen
Manfreds residierte er einige Zeit in Neapel und starb in Viterbo. Während
seiner Amtszeit wird wahrscheinlich Meister Eckhart geboren.
Urban IV. Jacques Pantaleon. 29.8.1261 - 2.10.1264
(3 Jahre)
Das nur noch aus acht Kardinälen bestehende Kollegium einigte sich
in Viterbo auf den gerade anwesenden Patriarchen von Jerusalem und geborenen
Schusterssohn aus Troyes. Er residierte in Viterbo und hat Rom nie betreten.
Um sich Manfreds zu erwehren, rief er Karl I. von Anjou zu sich und
lieferte ihm das päpstliche Lehen Sizilien aus. 1264 führte
er das Fronleichnamsfest in die Kirche ein, dessen Offizium der seit
1261 an seinem Hofe in Viterbo oder Orvieto als Magister sacri palatii,
d.h. als theologischer Berater, wirkende Thomas von Aquin verfaßte.
Klemens IV. Guy le gros Foulques. 5.2.1265 - 29.11.1268
(3 Jahre)
Seine Wahl erfolgte in Perugia. Am 6. Januar 1266 krönten fünf
Kardinäle in Rom Karl I. von Anjou zum König von Sizilien,
am 26. Februar 1266 fiel König Manfred und am 23. August 1268 wurde
Konradin, der letzte staufische Thronfolger, von Karl I. hingerichtet.
Klemens hat nichts getan, die Bluttat zu verhindern. In Byzanz förderte
er die Restaurationsbestrebungen Karls, der das 1261 nach 57-jährigem
Bestehen zugrunde gegangene "Lateinische Kaisertum" des 4. Kreuzzuges
als Erbe des geflohenen Kaisers Baudouin II. wieder aufrichten wollte.
Kaiser Michael VIII. Palaiologos vermochte dieser Gefahr zu begegnen.
Klemens, der nie als Papst in Rom war, starb in Viterbo. - Wenige Wochen
nach seiner Wahl wurde Dante geboren, dessen Weltgericht der Göttlichen
Komödie mehreren Päpsten, auch Klemens, zum Gericht geworden
ist.1267 überträgt er den Dominikanern die cura monialium.
Gregor X. Tebaldo Visconti. 1.9.1271 - 10.1.1276
(4 Jahre, 4 Monate)
Nach Klemens Tod konnten sich die 18 Kardinäle in Viterbo fast
drei Jahre lang auf keinen Papst einigen (das längste Interregnum
nach 307). Unter seiner Mitwirkung wurde 1273 Rudolf von Habsburg zum
König gewählt. 1274 wurde das 14. Allgemeine Konzil nach Lyon
einberufen, wo er eine neue Union mit der Ostkirche verwirklichen wollte.
Zur Vermeidung einer nochmaligen endlosen Sedisvakanz sezte er neue
Konklavebestimmungen durch. Vergebens bemühte er sich, den Kreuzzugsgedanken
neu zu beleben. Im März war Thomas von Aquin gestorben und wenige
Tage vor Beendigung des Konzils Bonaventura.
Innozenz V. Pierre de Tarentaise. 21.2.1276 - 22.6.1276
(5 Monate)
Mit ihm wurde zum ersten Mal ein Dominikaner Papst.
Hadrian V. Ottobono Fieschi, Graf di Lavagna. 11.7.1276
- 18.8.1276 (5 Wochen)
Der greise Neffe Innozenz IV. und Kardinaldiakon von Sant' Adriano wurde
in Rom unter Aufsicht Karls I. gewählt, der als Senotor Roms das
Konklave bewachte. Dante begegnet ihm im Purgatorio bei den Geizigen.
Johann XXI. Peter Rebuli-Giuliani. 8.9.1276
- 20.5.1277 (9 Monate)
Der einzige portugiesische Papst. Er residierte in Viterbo und kam beim
Einsturz einer Zimmerdecke ums Leben. Er müßte eigentlich
Johann XIX. heißen: ein Gegenpapst Johann XX., der nie existiert
hat, wurde von Gregor VI. angenommen und in den Listen geführt,
und Johann XVI. war Gegenpapst. Aus diesem Irrtum heraus fand mit den
Päpsten, die von nun an Johann hießen, eine falsche Zählung
statt.
Er bemühte sich um Frieden zwischen Philipp III., dem Kühnen
von Frankreich und Alfons X. von Kastilien, um die Vertiefung der Union
von 1274 und um einen neuen Kreuzzug. Er galt als Wissenschaftler von
hohem Rang. Seine philosophischen, psychologischen, naturwissenschaftlichen,
logischen und medizinischen Werke waren in allen Ländern verbreitet.
Nikolaus III. Giovanni Caëtano-Orsini. 25.11.1277
- 22.8.1280 (3 Jahre)
Er war ein Feind Karls I. von Anjou, dessen Einfluß in Italien
er schmälerte. Von Rudolf von Habsburg erwirkte er 1279 die Garantie
der Freiheit und Unabhängigkeit des Kirchenstaates und den endgültigen
Verzicht auf alle Rechte in der Romagna. Er war ein fast ausschließlich
weltlicher Herrscher. Im feurigen Felsengrab der Simonisten des 19.
Gesangs des Inferno bekennt Nikolaus Dante seine große Schuld
und sein einziges wirkliches Interesse: die Erhebung des Hauses Orsini.
(Er war ein Sohn des berüchtigten Matteo Orsini - s. Coelestin
IV.)
Martin IV. Simon de Brion. 22.2.1281 - 28.3.1285
(4 Jahre)
Er stand ganz unter dem Einfluß Karls I. von Anjou, der wiedergewann,
was er unter Nikolaus verloren hatte. Nach dem Sieg Peter III. bannte
er den König von Aragon, was weite Teile Italiens gegen die Franzosen
aufbrachte. Dante hat ihn unter die Völler des 24. Gesangs des
läuternden Pirgatorio verwiesen.
Honorius IV. Giacomo Savelli. 2.4.1285 - 3.4.1287
(2 Jahre)
Ein hohes Verdienst dieses Papstes war die Errichtung von Lehrstühlen
für orientalische Sprachen, vor allem des Arabischen, an der Universität
von Paris im Zusammenhang mit seinen Missionsplänen auf islamitischem
Gebiet und unter den östlichen Schismatikern.
Nikolaus IV. Girolamo Masci. 22.2.1288 - 4.4.1292
(4 Jahre)
Mit ihm bestieg zum ersten Mal ein Ordensgeneral der Franziskaner den
päpstlichen Stuhl. 1288 krönte er den Sohn Karl I. von Anjou,
Karl II. zum König von Sizilien, das jedoch im Besitz Aragons verblieb;
die Anjou blieben auf das Königreich Neapel beschränkt. Mit
dem Fall von Akkon am 18. Mai 1291 erlosch die mittelalterliche Kreuzzugsidee
endgültig. Er war ein großer Förderer der Ost- und Orientmission
und Gründer der Universitäten von Montpellier und Lissabon.
Coelestin V. Pietro Angelari da Murrone. 5.7.1294 - 13.12.1294
(5 Monate)
* Isernia 1214, † Schloß Fumone bei Agnani 19.5.1296. - Die in
Perugia erfolgte Wahl des über achtzigjährigen Greises nach
über zweijähriger Sedisvakanz ist eines der merkwürdigsten
geschichtlichen Ereignisse. Weil die in verschiedene Lager gespaltenen
Kardinäle sich nicht einigen konnten, setzte Karl II. von Anjou
einen Einsiedler durch, der bereits seit 5 Jahrzehnten in den Abruzzen
als Mönch gelebt hatte, und zwang ihn, in Neapel zu residieren.
Die Maßnahmen des mit den Welt- und Kirchengeschäften völlig
unvertrauten Papstes bestanden u.a. in der Wiederherstellung der Konklaveordnung
Gregors X. und der Ernennung von 12 dem König genehmen Kardinälen,
darunter sieben Franzosen. Nach nur fünf Monaten bot er selber
seine Resignation an, unter, wie gemunkelt wird, nicht unerheblicher
Einflußnahme seitens des nächsten Papstes, zumal er die Abdankungsurkunde
für ihn abfasste. 3 Tage vor seiner Abdankung erließ er noch
eine Konstitution über die mögliche Abdankung von Päpsten.
11 Tage danach wurde er gefangen nach Rom gebracht, entfloh, wurde wieder
gefangen und nach Fumone gebracht, wo er anderthalb Jahre später
starb.
Bonifaz VIII. Benedetto Caëtani. 24.12.1294
- 11.10.1303 (9 Jahre)
* Anagni (um 1235). - In Neapel einstimmig gewählt, beendete er
durch sofortige Übersiedlung nach Rom die Abhängigkeit von
Neapel. Seine durchweg von Mißerfolgen begleitete Politik wurzelte
in der Auffassung von der Überordnung des Papsttums über alle
Institutionen der Welt.
Seine erste Regierungshandlung war die brutale Inhaftierung seines entflohenen,
unglücklichen Vorgängers, dessen Resignation nicht von allen
anerkannt worden war. Mit Recht mußte er somit ein Schisma fürchten.
Gegen die Opposition einiger Kardinäle ging er mit Exkommunikation
und völliger Zerstörung deren Stammsitzes und Aneignung ihres
Besitzes vor. Seine Vermittlungsbemühungen zwischen Philipp IV.
und Eduard I. in dem 1294 ausgebrochenen Krieg um die englischen Festlandsbesitzungen
in Frankreich scheiterten. 1296 erließ er seine berüchtigte
Bulle Clericis laicos mit der beleidigenden Einleitung, "daß
die Laien Feinde des Klerus sind".
Die Wahl Albrecht I. von Österreich zum deutschen König 1298
erkannte er nicht an und diffamierte ihn als "Königsmörder".
1299 verbot er den Brauch des Leichen-Kochens (im Ausland Gefallene
wurden gekocht, damit man das Fleisch abnehmen und die Gebeine zuhause
beerdigen konnte).
1300 verkündigte er von der Loggia des Lateran herab das erste
kirchliche Jubeljahr (wer einen "völligen" Ablass aller seiner
Sünden haben will, muß zur Beichte und Kommunion in die vier
Hauptkirchen Roms). 1302 erließ er als Krönung der Auseinandersetzungen
die Bulle Unam Sanctam, die durch Jahrhunderte diskutiert worden
ist und in der die Vorstellungen von der päpstlichen Gewalt über
alle Kronen und Völker, vom geistlichen Übergewicht über
weltliche Angelegenheiten in überspitzter, schroffster Weise und
im Sinne einer Entmündigung allen außerkirchlichen Daseins
formuliert sind. 1303 gründete er die römische Universität
und starb dort völlig vereinsamt.
Politisch hat er nichts Dauerhaftes geschaffen; Ungarn und Schottland
setzten sich über seine Forderungen hinweg. Er war ein gewalttätiger,
gehässiger Autokrat mit einem Extrem an schrankenlosem Hochmut,
Maßlosigkeit, Machtgelüst und dazu einer Theatralik, die
pathologischen Charakter annahm, als er sich vor Kardinälen und
Bischöfen abwechselnd in päpstlichen Gewändern und in
denen eines Kaisers erging und rief:
"Ego sum Caesar, ego imperator". Er fügte den
zweiten Kronreif in die Tiara ein.
Benedikt XI. Niccolò Boccasini. 22.10.1303
- 7.7.1304 (9 Monate)
Ehemaliger Ordensgeneral der Dominikaner, löste Philipp IV. vom
Bann, den sein Vorgänger ausgesprochen hatte und erklärte
alle Maßnahmen gegen Frankreich für ungültig. Mit ihm
beginnt die Übergangszeit des Papsttums, die über das Exil
von Avignon und das große abendländische Schisma bis 1417,
dem Beginn des Pontifikates Martin V. und damit des Zeitalters der Renaissance,
reicht.
Klemens V. Raimond Betrand de Goth. 5.6.1305
- 20.4.1314 (9 Jahre)
Ließ sich in Lyon krönen und verließ Frankreich nicht
mehr. Mit der Verlegung seiner Residenz 1309 nach Avignon beginnt das
68 Jahre währende "babylonische Exil". Auf dem Konzil von Vienne
unterstützte er Philipp IV. moralisch und tätig bei dessen
Ausrottung der Templer und scheute sich nicht, die Folter zu befehlen
und an einem der ungeheuerlichsten Justizmorde der Geschichte mitschuldig
zu werden.
Gründer der Universitäten von Orléans und Perugia;
1307 ernannte er den ersten Erzbischof von Peking. Auf ihn gehen die
- am 25.10.1317 promulgierten - Clementinae zurück, die
bis 1917 letzte kanonische Gesetzessammlung.
Mit ihm nahm der Luxus des Hofes von Avignon mit all seinen Begleiterscheinungen
von Ämterschacher, Korruption und Nepotismus seinen Anfang. Letzteres
beherrschte K. schon sehr gut: fünf Verwandte hat er zu Kardinälen
gemacht, viele andere zu Bischöfen.
Johannes XXII. Jacques Duèze. 7.8.1316
- 4.12.1334 (18 Jahre)
Mit ihm standen sich zum letzten Mal im Spätmittelalter Papst-
und Kaisertum unversöhnlich gegenüber. Er verweigerte die
Anerkenung Ludwigs IV. und exkommunizierte ihn. Der daraufhin von Ludwig
zum Gegenpapst ausgerufene "Nikolaus V." unterwarf sich ihm 1330. Er
steigerte die Einnahmen des päpstlichen Stuhls durch eine ärgerniserregende
Steuerpolitik und machte sich des Nepotismus schuldig. Pfründenschacher
und Geldeintreibungen nahmen bedenkliche Ausmaße an. 1334 schrieb
er das Trinitatisfest vor.
Seine Bulle Docta sanctorum von 1322 ist die erste bedeutsame
päpstliche Äußerung zur Kirchenmusik. Gegen Meister
Eckhart ließ er einen schmachvollen Inquisitionsprozeß führen.
In der Konstitution vom 12. November 1323 Cum inter nonnullos
verurteilte er die einmütige Erklärung des franziskanischen
Generalkapitels zu Perugia von 1322, daß es gesunde katholische
Lehre sei, daß Christus und die Apostel kein Eigentum besessen
haben, als häretisch und wer sie vertrat, der Inquisition anheimgegeben.
In seiner Bulle In agro dominico vom 27. März 1329 verurteilte
er 28 Sätze Eckharts als häretisch - dabei wurde er selbst
der Häresie geziehen. Eckhart wurde bis heute nicht rehabilitiert;
wer seine Schriften liest, macht sich weiterhin strafbar und wird der
Inquisition überantwortet.
Benedikt XII. Jacques Fournier. 20.12.1334
- 25.4.1342 (7 Jahre)
Philipp V. von Frankreich hinderte ihn daran, mit Ludwig IV., dem Bayern,
Frieden zu schließen, weshalb er ihn auch nicht anerkannte. Daraufhin
schlossen sich die deutschen Kurfürsten im Kurverein von Rhense
zusammen und lehnten in ihrem Manifest vom 16.7.1338 für immer
jeden päpstlichen Anspruch ab, auf die Königswahl Einfluß
zu nehmen. Er vermochte auch nicht, den 1339 ausbrechenden Hundertjährigen
Krieg zwischen Frankreich und England zu verhindern und nach Rom zurückzukehren.
Ebensowenig gelang ihm die Rückführung der griechisch-orthodoxen
Kirche. - Nachweislich trug er die Tiara mit drei Kronreifen, doch kann
der dritte Reif schon von Benedikt XI. oder von Klemens V. stammen.
Klemens VI. Pierre Roger de Beaufort. 7.5.1342
- 6.12.1352 (10 Jahre)
Nach dem Tode des auch von ihm gebannten Ludwig IV. anerkannte er die
Wahl Karls IV. zum deutschen König. 1345 leitete er die Kalenderreform
ein. Luxus, Nepotismus und Verschwendungssucht des Hofes, verbunden
mit einer ganz Europa erregenden päpstlichen Steuerpolitik erreichten
unter ihm einen neuen Höhepunkt. Es ehrt ihn, daß er in den
blutigen Judenverfolgungen in Frankreich und Deutschland um 1348 den
Juden nach Kräften beistand und ihnen in seinem Staate Zuflucht
bot, wenn auch seine Bullen zu ihrem Schutze außerhalb desselben
meist ohne Erfolg blieben. Seine Bulle Unigenitus von 1343 ist
entscheidend für die Entwicklung des Ablaßwesens. In Rom
stiftete er den ersten abendländischen Lehrstuhl für Griechisch.
1348 erwarb er von der Königin Johanna I. von Neapel, der Enkelin
Roberts I., Avignon käuflich.
Innozenz VI. Etienne Aubert. 18.12.1352
- 12.9.1362 (10 Jahre)
Als erstes räumte er den unter seinem Vorgänger verlotterten
Hof auf und widerrief viele Verleihungen. Konsequent ging er gegen das
Pfründenwesen der Kardinäle vor und dehnte seine Reformbestrebungen
bis nach Deutschland aus. 1354 erschien Boccacio als Gesandter von Florenz
an seinem Hof; 1355 krönte er Karl IV. in Rom zum Kaiser und 1360
war er mitbeteiligt am ersten Vertrag zwischen England und Frankreich,
der für eine zehnjährige Waffenruhe sorgte.
Urban V. Guillaume de Grimoard. 28.9.1362
- 19.12.1370 (8 Jahre)
Unablässig und erfolgreich bekämpfte er die Mißstände
innerhalb der Kirche und begann damit in seiner nächsten Umgebung.
Das entscheidene Ereignis seines Pontifikates war die Rückkehr
nach Rom im Oktober 1367. Der Romzug Karls IV. 1368 zur Krönung
der Kaiserin bot ein Bild der Harmonie von Imperium und Papsttum. Trotzdem
kehrte er 1370 noch einmal nach Avignon zurück, wo er kurz darauf
starb.
Gregor XI. Pierre Roger de Beaufort. 30.12.1370
- 26.3.1378 (8 Jahre)
Letzter französischer Papst. Zu Beginn seines Pontifikates erhob
sich Italien unter Führung von Florenz gegen die Fremdherrschaft
der französischen Legaten. Am 17. Januar 1377 kehrte er nach Rom
zurück und beendete damit das Avignonesische Exil. Seine Härten
gegen die Florentiner und das im Februar 1377 angerichtete Blutbad des
Kardinals Robert von Genf fügten dem Ansehen des Papsttums schwere
Schäden zu. - In Rom ließ er den Campanile von Santa Maria
Maggiore erbauen.
Autor: Eckhart Triebel