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Geschichte
Schlaraffia
Wortbedeutung Schlaraffenland : lat. cucania, frz.
cocagne, ital. bengodi (= Genieße wohl!), Cokaygne, Lubberland (engl.
"Land der müßigen Taugenichtse") usw. - weltweit führt das Wunderland
viele Namen. Etwa seit 1400 im deutschsprachigen Raum nachweisbar, wird
das Wort "Schlaraffe" zurückgeführt auf eine Verknüpfung von
mhd. slur: das Faulenzen, Faulenzer bzw. s(ch)ludern: schlendern, nachlässig
arbeiten, und affe im Sinne von Tor, Narr. In Fasnachspielen ist die die
Bezeichnung schlu(de)raffe als Spott- und Schimpfname bereits im 15. Jhd.
üblich in der Bedeutung von Faulenzer, Schlemmer oder auch Einfaltspinsel.
Frühe Versionen: 13. und 14. Jhd (England und Frankreich):
"Klosterregeln" für Schlemmer und Spieler in einem Land, in
dem die Natur in verschwenderischer Fülle die delikatesten Güter hervorbringt;
kulinarische und mit überreichen Kostbarkeiten ausgestattete Luxuslandschaften
und -gebäude für ein Leben in Harmonie und Fülle, ewiger Tag, ewige Jugend
(durch Gesund- und Jungbrunnen). Ein nahegelegenes Nonnenkloster macht
das Glück vollkommen. Allerdings: Nur wer sieben Jahr bis zum Hals im
Schweinedreck watet, kann dieses selige Land finden.
Drei Wünsche des Mittelalters sind in diesen Texten erfüllt:
1. natürlicher Reichtum im Gegensatz zur kärglichen
und mühsamen Lebenserhaltung
2. Verschwendungsökonomie. Eine standesgemäße Lebensführung
forderte von den mittelalterlichen Herren die demonstrative Verschwendung
und Vernichtung dessen, was andere mühsam produziert hatten (siehe das
ritterliche Tugendideal der "milte" und die Hoffeste).
3. Liebe ohne Leid. Nicht mehr wie im Minnesang die unerreichbare
Dame, sondern eine auf gegenseitige Freude ausgerichtete Liebe, eine erotische
Utopie, eine Versöhnung der Geschlechter zumindest in der Literatur.
So finden wir z.B. in der Carmina burana, einer Gedichtsammlung
von fahrenden Sängern, zwischen 1210 und 1240) folgenden Text:
Laß von Epikur dir sagen: /
Satter Bauch schafft Wohlbehagen. /
Ja, mein Gott soll mir der Bauch sein /
und die Gurgel will es auch sein, /
dessen Tempel meine Küche /
voller leckrer Wohlgerüche.
Allmächtiger ewiger Gott, der du zwischen Bauern und Klerikern Zwietracht
gesät hast, gewähre unser Bitte, von ihrer Arbeit zu leben, uns ihrer
Weiber zu bedienen und über ihren Tod zu frohlocken allezeit.
Die englische Utopia (1516) beschreibt:
An Sommertagen heiß und schön/
kann man im Boot die Nonnen sehn,/
sind alle jung und hübsch und schlank,/
sie rudern froh den Fluß entlang./
Wenn sie erst fern vom Kloster sind, /
dann kleiden sie sich aus geschwind, /
sie tauchen in des Flusses Schoß/
und schwimmen wohl auch einen Stoß./
Wenn das die jungen Mönche sehn,/
dann ist es gleich um sie geschehn, /
sie alle eilen flugs hinaus, /
ein jeder sucht sich eine aus/
und trägt sein Nönnchen, eins, zwei, drei/
hinweg zur düsteren Abtei./
Er lehrt sie Andacht und Gebet
im Tanz, /der auf und niedergeht ...
Bearbeiteter Auszug aus der Homepage http://webix.tele.net/borgschoren/litera.htm
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