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Kulturgeschichtliches
Allgemein
| 1200 |
~ Der Ringwechsel bei Verlobten kommt auf (Ehering erst im späten
Mittelalter)
~ Gerichtliche Zweikämpfe werden zwischen Mann und Frau bei
Rechtsstreitigkeiten ausgefochten (besonders um zu entscheiden,
ob Untreue der Frau oder Notzucht vorliegt). Der Mann muß
sich bis zu den Hüften in einem Loch gegen die Frau auf Leben
und Tod verteidigen |
| 1207 |
Regensburg verbietet die Spielhäuser (allmählich wird
die verbreitete Spielsucht des MA eingedämmt) |
| 1246 |
~ Eisenbeschlagene Truhen sind das wichtigste Kastenmöbel
(des Mittelalters)
~ Faltstühle werden hergestellt |
| 1247 |
~ Bedürftige Laien werden gelegentlich durch sog. PanisBriefe
(Brotbriefe) von den deutschen Königen zur unentgeldlichen
Ernährung in Klöster gewiesen (bis 1806) |
| 1250 |
~ In Mitteleuropa kommt der Hut auf (zunächst meist spitzförmig)
~ Die Bunthaube dient als männliche Kopfbedeckung (in Deutschland
bis zum 15. Jh.)
~ Der Zopf erscheint auch als europäische Männertracht
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Übergang von langer zu kurzer männlicher Haartracht
in Mitteleuropa. |
Begriffe
Der Teppich von Bayeux
Um etwa ~1077 entstanden, gehört er zu den kostbarsten bildlichen
Quellen des MA. Er ist 70 m lang und ca. 50 cm hoch. Er entsteht in der
Normandie und erzählt die Überfahrt, Landung und Eroberung Englands
durch Herzog Wilhelm I. von der Normandie, die nur wenige Jahre zurückliegt.
Der ewige Jude
Der zu ewiger Wanderung verurteilte Jude Ahasverus (latinisierte Form
für hebräisch Achaschwerosch). Verschmolzen sind in dieser Gestalt
die Legende des Kriegsknechtes Malchus (Joh. 18, 4-10), seit dem 6. Jh.
bekannt, und die Vorstellung, daß Johannes nicht stirbt, bis Jesus
wiedererscheint (Joh. 21, 20-23). In einer italienischen Quelle findet
sich 1223 die Mitteilung, christliche Pilger hätten in Armenien einen
Juden gesehen, der einst den kreuztragenden Christus angetrieben und von
ihm die Antwort erhalten habe: "Ich werde gehen, aber du wirst auf mich
warten, bis ich zurückkomme." Andere Quellen nennen den Torhüter
des Pilatus, Joseph Cartaphilus, oder einen Buttadeus.
Seit Ende des 18. Jh. - besonders in der Romantik - wird der Volksbuchstoff
literarisch bearbeitet. Seit der Mitte des 19. Jh. wird das Motiv auch
mit dem Schicksal des jüdischen Volkes identifiziert. Insbesondere
im antisemitischen Schrifttum erscheint der E. J. als Sinnbild des jüdischen
Volkes.
Kabbala
[hebr. "Überlieferung"], Bezeichnung für die jüdische Geheimlehre
und Mystik, vor allem zwischen dem 12. und 17. Jh. sowie für die
esoterischen und theosophischen Bewegungen im Judentum überhaupt.
Die Kabbala stammt aus der babylonischer Gefangenschaft des Volkes Israel.
Die babylonische Zahlenmystik wurde seinerzeit übernommen und weiterentwickelt.Die
K. ist kein einheitliches System, vielmehr haben ihre Anhänger (Kabbalisten)
eine Vielzahl von Lehren und Entwürfen vorgelegt, wobei, anders als
in den Schriften des Talmud, auch Einwirkungen aus der Volksreligion nachweisbar
sind. - Vom 12. bis zum 14. Jh. entsteht in Südfrankreich (Provence)
und Spanien die Bewegung, die als K. im eigentl. Sinn bezeichnet wird.
Ein bedeutendes Dokument dieser Zeit ist das Buch Bahir, in dem Begriffe
der älteren Esoterik weiterentwickelt werden (Organismus von göttlichen
Potenzen bzw. Äonen). Zwischen 1240 und 1280 entsteht das Hauptwerk
der älteren K., das Buch Sohar, das später zu einem kanonischen
Text der K. wurde.
Pilger
[lat. Peregrinus "Fremder"]. Weit verbreitete Erscheinung des aus
religiösen Motiven zeitweise oder dauernd heimatlos Wandernden. Häufigste
Form der Pilgerschaft ist die Wallfahrt zu einer heiligen Stätte,
an der sowohl Befreiung von irdischen Übeln als auch religiöse
Erleuchtung und Heilung gesucht wird.
Eine besondere Form stellt der Berufspilger dar, der aus verschiedenen
Gründen für jemand anderen pilgert. Die häufigste Veranlassung
ist, wenn jemandem als Buße eine Wallfahrt auferlegt wurde, die
er nicht vornehmen kann oder will. Hier springt der Berufspilger ein,
der für einen entsprechenden Lohn bereit ist, die Fährnisse
auf sich zu nehmen. Das er dabei unterwegs noch den einen oder anderen
"Nebenjob" annimmt, indem er z.B. an einer des Weges liegenden Kapelle
noch fünf Ave Maria betet, versteht sich von selbst.
Rolandsäule
Standbild in Gestalt eines oft überlebensgroßen barhäuptigen
Ritters mit bloßem Schwert. Sinngehalt und Herkunft der Bezeichnung
der wohl schon im 13. (bis ins 18.) Jh. auf Markt- und Hauptplätzen
vieler norddeutscher Städte aufgestellten Bildsäulen ist ungeklärt;
sie werden der Rechtssphäre zugeordnet (Symbol der hohen Gerichtsbarkeit
oder der städtischen Rechte und Freiheiten, z.B. der Marktfreiheit).Diese
Deutung ist nicht unumstritten.
Sohar
[hebr. "Glanz"], Hauptwerk der jüdischen Kabbala. Der S. stammt aus
der 2. Hälfte des 13. Jh. und ist wahrscheinlich von dem spanischen
Kabbalisten Moses Ben Schem Tov de Leon in aramäischer Sprache verfaßt
worden. Hauptinhalt sind mystische Ausdeutungen der Thora und anderer
biblischer Bücher
Autor: Eckhart Triebel
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