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Bildgestaltung
Malerische und fotografische Motivsicht
In diesem Abschnitt sollen Motive unter Gesichtspunkten künstlerischer
Bildgestaltung behandelt werden. Sie werden feststellen, daß viele Begriffe
aus dem Gebiet der Malerei verwendet sind. Aus Gründen des besseren Verständnisses
werden wir auch Gemälde alter Meister zur Demonstration heranziehen. Malerei
und Fotografie liegen nahe beieinander. Gott behüte uns vor Puristen die
die jeweils reine Lehre vertreten. Leonardo da Vinci ist auch bekannt
durch Anwendung und Erfindung neuer Techniken: was hätte er zur Fotografie
und dem PC-Bearbeitungsprogramm gesagt? Er hätte sie benutzt und weiterentwickelt,
denn er war kein Kleingeist!
Nicht jeder, der eine Kamera bedienen kann, fotografiert gut - eine Binsenweisheit.
Aber viele greifen zur Kamera, weil sie Schönheit und Künstlerisches lieben,
aber die Gabe des Zeichnens und Malens nicht haben oder nicht schulen
konnten.
Die Elemente, die ein gutes Bild ausmachen, sind grundsätzlich in der
Fotografie und in der Malerei gleich. Während jedoch der Maler zunächst
ein weisses Blatt Papier oder eine leere Leinwand vor sich hat und das
Bild durch Einfügen der einzelnen Elemente (Linien, Farbe, Raum, Perspektive)
schafft, muss der Fotograf aus den bereits vorhandenen Komponenten das
eliminieren, was stört oder überflüssig ist.
Gute Fotografen machen sich die Grundregel bei der Motivbetrachtung zu
eigen, die Maler haben: Angesichts des Motivs - Augen leicht zukneifen!!!
Dadurch wird störendes Umfeld ausgeblendet und das Wesentliche gesehen
(Prägnante Flächen mit gleichen Tonwerten, Licht und Schatten).
Der Fotograf muß beim Blick durchs Objektiv aber auch
lernen, mit dem Kamera-Auge zu sehen, will heißen, sich das fertige
Bild vorstellen zu können. Dies ist wichtig, weil das sich leicht anpassende
Auge nicht ganz den Eindruck wiedergibt, den das fertige Bild vermitteln
wird (Grenzen des Kontrastumfangs beim Film gegenüber der Anpassung des
menschlichen Auges).
Er wandert dazu mit dem Auge über das Motiv . Das Störende soll auch möglichst
im fertigen Bild nicht zu erkennen sein.
Was kann stören? Der Hintergrund, Farben, Lichteffekte, Formen. Störung
ist alles was die Harmonie beeinträchtigt, eine langweilig wirkende Symmetrie
schafft oder Signale erzeugt die der Bildaussage widersprechen (Interferenzen.
Mit Gefühl sehen - mit Erfahrung umsetzen
Gute Fotografie heisst also entscheiden was im Bild enthalten sein
soll und was nicht. Ein gutes Foto wird nicht genommen, es wird gemacht!
(Zitat).Unser Gehirn muss abstrahieren, Oberbegriffe bilden, Ordnungen
in das natürliche Chaos hineindeuten, die Unordnung bezeichnen und als
solche darstellen, Zusammenhänge zwischen Dingen herstellen.
Wenn wir etwas betrachten, konzentrieren wir uns auf bestimmte Aspekte
und ignorieren anderes: Wir filtern alles über unsere Erfahrungen und
Gefühle. Die Kamera nimmt diese Bewertungen nicht vor. Sie erfasst alles,
was sie registriert. Der Fotograf muss, die Kamera lenken und die Elemente
selektieren, die ins Bild gesetzt werden sollen. Auch das heisst mit dem
Auge der Kamera zu sehen. Er muss auch lernen die Wirkung einer Aussage
durch richtige Komposition zu steigern.
In einer guten Komposition hat man das sichere Gefühl, dass nichts dem
Bild hinzugefügt oder von ihm weggenommen werden kann.
Fotografie jedenfalls ist ein Gebiet für ewig Studierende. Man weiss,
je mehr man weiss, wie wenig man "eigentlich" weiss. Nur wer
sich für klug, hält hört auf zu lernen!!
Schwarzweiss oder Farbe?
Es erhebt sich zunächst die Frage gestellt, ob Farbbild oder Schwarzweiß-Aufnahme?
Vergleicht man mit Künstlern, so hat die Schwarz-Weiß-Zeichnung ihren
besonderen Reiz in der Verwendung grafischer Elemente. Dies eröffnet dem
Künstler völlig andere Möglichkeiten und kann durchaus als der Farbe ebenbürtig
angesehen werden. Schwarzweiss reduziert Bildaussagen gut auf das Wesentliche.
Fernöstliche Kaligraphen und Maler haben schon vor langer Zeit diese Art
der Darstellung entdeckt und für sich nutzbar gemacht. Bedenken Sie das
die Grundstrukturen des menschlichen Gehirn nur in "schwarz-weiss",
plus-minus, gut-böse und ähnlichen Dualismen funktionieren.
Aus all diesen Gründen sollten Sie auf Schwarz-weiß-Aufnahmen nicht verzichten.
Info, Stimmung, Symbol?
Informationsfotos sind sachliche Reportagefotos (dieses Aussehen
hatte die Rose!)
Stimmungsfotos sind gestaltete Fotos oder Schnappschüsse die an das Gefühl
appelieren, Stimmung erzeugen (So empfand ich diese Rose!)
Symbolfotos sind Fotos die uns Bedeutungen übermitteln wollen, z. B. Kinderbild
für Hunger in der Welt, Geldschein für Reichtum (Dies bedeutet
mir diese Rose)
In den meisten guten Bildern mischen sich die Aspekte.
Was soll das Foto rüberbringen? Einfach ihre Küche wenn
gekocht wird (Infobild, z.B. high-key, hell und informativ) Übrigens:
Mann beisst Hund ist noch immer die interessantere Reportagevariante!
Etaas Neues, Interessantes bieten ist das Ziel der Reportage.
Oder ihre Alchemistenküche wenn sie ein Gericht zelebrieren? (Stimmung,
z.B. low-key, dunkel und an das Gefühl appellierend).
Die ungeliebte Arbeit in der Küche? (Symbolwert, z.B. harte Kontraste
und Farben)
Wie Maler sind auch Fotografen geheime Verführer. Die geheimen
Verführer suggerieren uns, was sie ausdrücken wollen und was wir sehen
sollen. Ein Kind unter einem Steinbogen. Der Bogen kann soft werden (high-key).
Er muss sich dem Kind unterordnen. Oder ein Steinbogen mit Kind? Da wird
das Kind hart. Es muss sich dem Bogen unterordnen. Oder den Kontrast zwischen
einem zarten Kind und einem harten Steinbogen (Kontrasterhöhung im Bogen-Bereich).
Alles läuft auf die beabsichtigte Wirkung hinaus. So ist das auch mit
Reportagen!
Ein verregneter Urlaubstag kann durch regennasse Stühle im menschenleeren
Parkkaffee, die sich in Pfützen spiegeln symbolisiert werden. Trauer zeigt
eine einzelne Träne auf dem Gesichtsauschnitt eines Kindes ebenso wie
das ganze Gesicht. Die Träne ist jedoch- gut fotografiert- mindestens
ebenso eindrucksvoll.
Fotografieren sie nicht Motive nur wie "man" das
tut, sondern so, wie es ihnen gefällt. Eiserne Regeln sind zum Brechen
da, experimentieren sie also (Kontraste, available light) und seien sie
nicht traurig wenns nicht jedem gefällt. Fotografieren Sie für sich, nicht
für andere!! Lesen sie zum besseren Verständnis der Auswirkungen Nikolai
Gogols Kurzgeschichte "Das Gemälde"
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